Geschichte der Eichbachmühle

Die Eichbachmühle von ca. 1765 ist eine ehemalige Kundenmühle im gleichnamigen Tennenbronner Seitental. Der Eichbach ist eine einst sehr eigenständige, weitläufige Zinkensiedlung. Hier war „die Mühle“ lange Zeit der Versorgungsmittelpunkt.

Das alte Mühlengebäude ist ein einfacher ländlicher Barockbau mit massivem Erdgeschoss, Fachwerkobergeschoss und einseitig teilgewalmten Satteldach, das einst mit Schindeln und heute mit Ziegeln gedeckt ist. Die Mühle selbst verfügt über zwei teilweise noch vorhandene Mahlgänge, einen für Brotmehl und einen Gerbgang. Das Wasserrad hat die stattliche Größe von 5 ½ Metern Durchmesser.

Die Betrachtung der Geschichte der Eichbachmühle eröffnet einen überraschend vielfältigen Blick in unterschiedliche Gebiete ländlicher Geschichte: Heimat-, Landwirtschafts- und Technikgeschichte sind ebenso berührt wie die Handwerks-, Handels- und letztlich die Sozialgeschichte.

Als Kundenmühle mit angegliederter Bäckerei und Handlung hatte die Eichbachmühle einen großen Einzugsbereich. Einerseits wurde das Getreide von weitum angeliefert. Das bedeutete aber auch, dass der Absatzmarkt ebenfalls groß war – zumal der Handel teilweise bargeldlos betrieben wurde: Je Zentner von einem Bauern geliefertem Getreide wurde eine Gutschrift an Brot in einem Buch festgehalten. Als Anfang der 1960er Jahre Otto Fleig die Mühle übernahm, wurde eine Neuerung eingeführt: Die Gutschriften wurden in Form von Münzen ausgehändigt. Eine Münze hatte den Wert eines 4-Pfund-Roggenbrotes. Der Tausch des Getreides in eine Gutschrift wurde folgendermaßen berechnet: 100 Pfund Roggen ergaben 23 Vierpfünder-Brote und 25 Pfund Kleie. Beim Abholen des Brotes wurde des Weiteren ein Backlohn verlangt. Es handelte sich also um eine ausgefeilte Art eines Quasi‑Tauschhandels, der bis zum Ende der Geschäftstätigkeit in den frühen 1980er-Jahren Bestand hatte.

Damit ist der zeitliche Rahmen umschrieben: von der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bis in das zweitletzte Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts. Vor allem der letzte Zeitabschnitt brachte – wie überall auf dem Land – große Veränderungen.

Bis 1964 wurden die beiden Mahlgänge ausschließlich mit Wasserkraft angetrieben. 1964 / 65 erfolgte dann der Neubau einer 2-stühligen elektrischen Walzenmühle als Anbau an das Wohnhaus. Die alte Mühle diente fortan zum Schroten, d. h. zum groben Zerkleinern von Getreide als Viehfutter.

Was war der Grund für diese tief greifende Veränderung? Anfang der 1960er-Jahre war die Landwirtschaft so weit mechanisiert, dass auch auf dem Land fast ausschließlich mit dem Mähdrescher gedroschen wurde. Das bedeutete aber, dass das Getreide häufig zu feucht war, um in einer traditionellen Schwarzwälder Mühle vermahlen zu werden. Darüber hinaus war die Eichbachmühle – so das Synonym für den gesamten Betrieb – damals auf der Höhe Ihrer Leistungsfähigkeit und Wirtschaftskraft: Die „neue Eichbachmühle“ hatte eine Leistung von rund 2 Tonnen Getreide pro Tag.

Schicksalsschläge bereiteten dem Wirtschaftsunternehmen Mühle das Ende: Das bereits Mitte der 1950er-Jahre einmal abgebrannte Wohnhaus brannte 1980 erneut ab. Damit war die neue Mühle zerstört, wurde aber wieder aufgebaut. Als Otto Fleig kurz nach der Fertigstellung des Wiederaufbaus verstarb, wurde die Mühle stillgelegt.

All diese Veränderungen hat das Gebäude der „alten Eichbachmühle“ bis zum heutigen Tag überstanden. Das zwischenzeitlich unter Denkmalschutz stehende Gebäude wird aktuell mit fachlicher und finanzieller Unterstützung durch das Landesdenkmalamt Baden-Württemberg restauriert.